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Thema: "Analogie als Quelle der Erkenntnis?"

Der Begriff Analogie (griechisch ἀναλογία, analogia) bezeichnet Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten in Morphologie, Physiologie oder Verhalten, die im Gegensatz zur Homologie nicht auf einen gemeinsamen Ursprung, sondern auf voneinander unabhängige (Anpassungs)prozesse unter ähnlichen (Umwelt)bedingungen zurückgehen. Die Unterscheidung von Analogien und Homologien ist in den Humanwissenschaften deutlich schwieriger als etwa in der Biologie, weil der kulturelle Wandel sich sehr viel rascher vollzieht als die natürliche Evolution und sich nicht in Genen, sondern in sehr verschiedenen Formen ausdrückt, deren Authentizität oft unklar ist.

Analoge Merkmale verschiedener Kulturen sind beispielsweise der Feldbau und die Schrift, die in der menschlichen Entwicklung mehrfach in voneinander isolierten Regionen unabhängig entstanden.In der Antike entzogen sich viele Naturphänomene mangels präziser Instrumente einer direkten Messung und Beobachtung. Theorien zur Erklärung dieser Phänomene konnten zunächst nur durch Analogien gebildet werden. „Wesentlich … ist die Überzeugung, daß die Entsprechungen natürliche, im Wesen der Dinge selbst begründete sind und daher entdeckt werden können“ (Sedlmayr, H. 1955). Im Mittelalter war über lange Zeit die Religion die einzig zugelassene Grundlage von Analogieschlüssen.

Mit dem Aufschwung der Empirie in der Neuzeit bildete der Analogismus dann eine treibende Kraft der Wissenschaft und bekam eine Schlüsselfunktion in der Erkenntnistheorie, etwa bei Herder und Kant.Die Entwicklung der Atommodelle und des Periodensystems, der Evolutionstheorie und der Verhaltensforschung, die Typologie in der Kunst- und Architektur(geschichte) sind nur einige Beispiele dafür, wie Analogien Wissenschaftler auf die richtige Spur bringen können. Dem  gegenüber stehen zahllose Analogieschlüsse aus Vergangenheit und Gegenwart, die schlichtweg falsch oder unzulässig sind und den weiteren Erkenntnisgewinn behindern. „Das vergleichende Verfahren hat nun einmal eine wechselnde Anzahl von Unsicherheitsfaktoren aufzuweisen, es kann nur zu wechselnden Wahrscheinlichkeitsgraden der Erkenntnis führen“ (Wagner, F. 1955).

Und doch ist das Wiedererkennen von Mustern und Mechanismen eine der wesentlichen kognitiven Leistungen des Gehirns, um sich in der Welt zurechtzufinden. Dies betrifft nicht nur Muster des gleichen Systems, zum Beispiel Gesichter in einer Menge, sondern wird auch auf andere Systeme übertragen: So erkennen wir Gesichter, Tiere und andere Formen in Wolken, Wellen, Bäumen usw. Das Gehirn verarbeitet neben visuellen Reizen Geräusche, Musik, Sprache, soziale Beziehungen und viele andere Informationen in gleicher Weise. Diese Fähigkeit macht sich nicht zuletzt der Humor zunutze, dessen Pointen oft auf falschen Analogieschlüssen beruhen.

Grundsätzlich können Analogien gezogen werden, um vorhandene Strukturen und Prozesse zu beschreiben, zu analysieren oder um Hypothesen zu bilden. Streng genommen erbringt der Analogismus jedoch keinen Beweis – er besteht im Schluss auf die ungewissen Teile eines nicht vollständig bekannten Systems aus der Kenntnis eines ähnlichen, aber vollständig bekannten.Als Instrument zur Prognose von komplexen Systemen ist er daher meist auch nicht geeignet.

Der Begründer der Matreier Gespräche, Otto Koenig, war stets ein Verfechter des Analogieschlusses, und auch sein Lehrer Konrad Lorenz brach in seiner Nobelpreisrede eine Lanze für diese Form des Erkenntnisgewinns. Das ist Anlass genug, sich in Matrei dieses wissenschaftstheoretischen Themas anzunehmen. In der Tagung erhoffen wir uns eine reichhaltige Diskussion über wissenschaftliche Erkenntnisse und Trugschlüsse der Vergangenheit und Gegenwart, darüber wie man falsche Analogieschlüsse vermeidet und welche aktuellen Forschungsfragen von Analogien profitieren können. Da die Kulturethologie über weite Strecken ausschließlich mit Analogien arbeitet, ist jeder kulturethologische Beitrag im engeren Sinne ebenfalls willkommen. Es könnte auch lohnend sein, einen Tagungsband der letzten Jahre hinsichtlich analoger Verlaufsformen zu analysieren.

Thema: "Grenzen und Übergänge"

 

Das aktuelle Buch "Kolonisierung: wie Ideen und Organismen neue Räume erschliessen" zur Tagung 2014 ist bereits erschienen. Diese und weitere Tagungsbände können Sie über Online-Händler bestellen. Um zur Übersicht der weiteren Tagungsbände zu gelangen, folgen Sie einfach dem Link.

MG Kolonisierung

 

Das aktuelle Buch "Gleichheit und Ungleichheit, Symmetrie und Asymmetrie?" zur Tagung 2012 ist bereits erschienen. Diese und weitere Tagungsbände können Sie über Online-Händler bestellen. Um zur Übersicht der weiteren Tagungsbände zu gelangen, folgen Sie einfach dem Link .

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